Systemsprenger-Betreuung — wenn nichts anderes mehr passt
„Systemsprenger" ist ein hartes Wort. Wir mögen es nicht besonders — aber es benennt eine Realität: Es gibt Menschen, deren Bedarf so komplex ist, dass die üblichen Strukturen sie nicht halten können. Komorbidität (Psychiatrie und Sucht, Psychiatrie und Trauma, Persönlichkeitsstörungen mit Selbstverletzung). Wiederholte Kriseneinweisungen. Beziehungsabbrüche mit Hilfesystemen. Diagnosen, die sich gegenseitig ausschließen sollten und doch zusammen auftreten.
Wir sind darauf spezialisiert. Nicht weil wir „alles können", sondern weil wir die Haltung, die Erfahrung und die Ressourcen haben, mit genau diesen Situationen umzugehen. Seit über 15 Jahren betreuen wir in Berlin Menschen, bei denen andere Anbieter abwinken.
Wer von uns betreut wird
Es gibt kein typisches Klientel — aber wiederkehrende Konstellationen. Ein paar Beispiele aus unserer Arbeit, anonymisiert:
- Komorbide Psychiatrie und Sucht:
- Ein junger Erwachsener mit schweren psychotischen Episoden, gleichzeitig Cannabis- und Alkoholmissbrauch. Stationäre Suchttherapien scheitern an der Psychiatrie, psychiatrische Aufenthalte am Konsum. Wir begleiten zu Hause — mit klarem Rahmen, regelmäßigen Kontakten, fester Bezugsperson.
- Akute Eigengefährdung im häuslichen Umfeld:
- Eine Frau Mitte 50, schwere Depression, nach mehreren Suizidversuchen aus der Klinik entlassen. Angehörige können nicht 24/7 da sein, eine erneute Aufnahme will sie nicht. Wir stellen 24-Stunden-Betreuung im Wechselschichtmodell — bis die ambulante Therapie greift.
- Wohngemeinschaftliches Wohnen scheitert:
- Ein Mensch mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, der in jeder betreuten WG eskaliert, aber zu Hause stabilisiert werden kann — mit fester Bezugsbetreuung und konstantem Team.
- Demenz mit schwerer Aggressivität:
- Eine Person mit fortgeschrittener Demenz, körperlich noch fit, in keinem Pflegeheim mehr gehalten — aber in der eigenen Wohnung mit einer ruhigen, erfahrenen Betreuung handhabbar.
Was unsere Betreuung in solchen Fällen ausmacht
- Festes kleines Team:
- Wir arbeiten nicht mit ständig wechselnden Honorarkräften. Bei jeder Klientin und jedem Klienten gibt es 2-4 Bezugspersonen, die sich abwechseln. Vertrauen wächst, weil dieselben Gesichter wiederkommen.
- Klare Haltung, kein Mitleid:
- Wir sind freundlich, aber konsequent. Wer provoziert, kriegt keine Gegenprovokation. Wer testet, erfährt verlässliche Grenzen. Das ist — paradox — oft das, was unsere Klientinnen und Klienten am meisten brauchen.
- Erfahrung im Krisenmanagement:
- Unser Team kennt Aggression, Suizidalität, psychotische Episoden, Selbstverletzung. Wir geraten nicht in Panik, wir deeskalieren, dokumentieren, halten Kontakt zur behandelnden Ärztin oder zum gesetzlichen Betreuer.
- Vernetzung mit Hilfesystemen:
- Wir arbeiten eng mit Kliniken, niedergelassenen Psychiaterinnen und Psychiatern, gesetzlichen Betreuern, sozialpsychiatrischen Diensten zusammen. Wir sind nicht der Ersatz für ein professionelles Behandlungsteam — wir sind dessen verlängerter Arm im häuslichen Alltag.
Wer das bezahlt
Systemsprenger-Betreuung ist teuer — und sie wird selten regulär finanziert. Mögliche Wege:
- Selbstzahlung durch Familie/Angehörige — bei wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit oft der schnellste Weg.
- Eingliederungshilfe nach SGB IX — bei anerkannter seelischer Behinderung, beantragt beim zuständigen Bezirksamt.
- Sozialhilfe nach SGB XII — in Härtefällen, wenn andere Mittel ausgeschöpft sind.
- Private Versicherungen — wenn Versorgungsansprüche bestehen.
Was wir nicht leisten
Wir sind ehrlich: Wir können nicht alles.
- Zwangsmaßnahmen:
- sind nicht unser Auftrag — wenn jemand akut fremdgefährdet ist und sich nicht freiwillig versorgen lässt, gehört das in eine Klinik mit geschlossener Station.
- Sucht-Entzug:
- machen wir nicht — das gehört in qualifizierte Suchtkliniken.
- Längere Akutpsychotherapie:
- ist nicht unsere Rolle — wir begleiten Therapie, ersetzen sie nicht.
Häufig gestellte Fragen
Nehmen Sie auch Klienten auf, die andere Pflegedienste abgelehnt haben?
Ja — oft sind es genau diese Anfragen, die zu uns kommen. Wir prüfen jeden Fall einzeln im Erstgespräch.Können Sie Klientinnen und Klienten mit gesetzlicher Betreuung übernehmen?
Ja. Wir arbeiten regelmäßig mit gesetzlichen Betreuern (Berufs- und Familienbetreuern) zusammen. Der Vertrag kommt dann mit dem Betreuer als Vertretungsberechtigten zustande.Wie schnell können Sie übernehmen?
Bei akuten Übernahmen aus der Klinik in der Regel innerhalb von 3-7 Tagen, je nach Komplexität des Settings. Eine schnellere Übernahme ist in Notfällen möglich.Was kostet eine 24-Stunden-Systemsprenger-Betreuung pro Monat ungefähr?
Sehr unterschiedlich, je nach erforderlicher Qualifikation und Setting. Realistisch sind 12.000–20.000 € pro Monat für eine durchgehende 1:1-Betreuung im Wechselschicht-Modell. Wir geben im Erstgespräch eine konkrete Kalkulation.Was passiert, wenn ein Klient gewalttätig wird?
Wir haben klare Eskalationsprotokolle. Bei akuter Gefährdung verständigen wir Notarzt und ggf. Polizei. Das ist Teil unserer Erfahrung — solche Situationen sind anstrengend, aber nicht ungewöhnlich.Müssen Klientinnen und Klienten einer Betreuung zustimmen?
Ja — es gibt keine Zwangsbetreuung durch uns. Wenn jemand uns nicht in der Wohnung haben will, sind wir nicht zuständig. In solchen Fällen können wir aber Angehörige beraten, wie sie ggf. eine gesetzliche Betreuung anregen.
Bereit für ein erstes Gespräch?
Kostenlos, unverbindlich, in Ruhe. Wir hören erst zu — und melden uns dann mit einem konkreten Vorschlag zurück.
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