Hospiz-Sitzwachen — jemand bleibt da
Es gibt einen besonderen Auftrag in unserer Arbeit: Da zu sein, wenn jemand geht. Nicht als medizinische Kraft — dafür gibt es Palliativteams. Sondern als wache, ruhige Anwesenheit, die nicht mehr verlangt als zuhören, halten, warten.
Hospiz-Sitzwachen unterscheiden sich von anderen Sitzwachen in einem entscheidenden Punkt: Sie haben kein medizinisches Ziel mehr. Es geht nicht darum, dass etwas besser wird. Es geht darum, dass der Mensch nicht alleine ist — und dass die Familie dabei nicht zerbricht.
In dieser Arbeit kooperieren wir eng mit unserem Partnerverein Leben Pflegen Reisen e.V., dessen ehrenamtliches Netzwerk gerade bei Sterbebegleitungen die Heilpraxis-Stunden ergänzt — und die Familie nicht allein lässt, wenn unsere bezahlten Schichten zu Ende gehen.
Wo wir Hospiz-Sitzwachen anbieten
- Im Hospiz:
- Die meisten Hospize in Berlin (Ricam Hospiz, Hospiz Schöneberg-Steglitz, Hospiz Wilmersdorf, Christophorus Hospiz, Lazarus Hospiz, u. a.) haben ihre eigenen ehrenamtlichen Sitzwachen-Strukturen. Wir kommen als Ergänzung dazu — oft bei Klientinnen und Klienten, die eine durchgehende Begleitung wünschen, was über das ehrenamtliche Angebot hinausgeht.
- Auf der Palliativstation:
- Wir kommen ins Krankenhaus, in Abstimmung mit dem Pflegeteam. Wir sind kein Konkurrenz-Angebot — wir entlasten die Pflege, indem wir die 1:1-Anwesenheit übernehmen, die im Stationsalltag selten möglich ist.
- Zu Hause:
- Viele Menschen wollen zu Hause sterben — und können das auch, wenn die Familie es organisiert bekommt. Wir kommen dann oft für die Nachtstunden, für die Wochenenden, für die Phasen, in denen die Angehörigen selbst Erschöpfung spüren.
Was Hospiz-Sitzwachen tun (und was nicht)
- Sie tun:
- wach sein, beobachten, ruhig sprechen, vorlesen, schweigen, Hand halten, Lippen befeuchten, leise sein. Sie rufen die Angehörigen, wenn es Zeit ist. Sie rufen das Palliativteam, wenn die Symptomatik sich verändert.
- Sie tun nicht:
- Schmerzmittel anpassen (das macht der Arzt), Pflege im engeren Sinne durchführen (das macht der Pflegedienst), Trost spenden, der unecht wirkt. Sie reden nicht über Religion, wenn es nicht von der sterbenden Person ausgeht. Sie weinen nicht laut, wenn es um Halten geht.
Was unsere Mitarbeitenden in dieser Arbeit ausmacht
Hospiz-Sitzwachen sind eine besondere Aufgabe. Wir setzen Kolleginnen und Kollegen ein, die:
- Erfahrung mit Sterbebegleitung haben (Hospizpraktikum, Pflegeerfahrung, Trauerbegleitung-Ausbildung).
- ruhig sind, wirklich ruhig — nicht still aus Unsicherheit, sondern still aus Haltung.
- mit eigenen Verlusten gearbeitet haben, sodass nicht ihre Trauer im Zimmer steht.
- bei körperlichen Veränderungen in der Sterbephase nicht in Hektik geraten.
Sterbebegleitung ist keine Anfänger-Aufgabe. Wir vermitteln sie nur an erfahrene Mitarbeitende.
Was Hospiz-Sitzwachen kosten
Sitzwachen am Lebensende sind oft schon teure Tage in einer ohnehin teuren Phase. Wir berechnen einen reduzierten Sterbebegleitungs-Tarif:
- Tagsüber:
- 38 €/h.
- Nachts (22:00–06:00):
- 45 €/h (inkl. 25 % Nachtzuschlag).
- Sonn-/Feiertags:
- 50 % Zuschlag.
Eine 12-Stunden-Nacht kostet damit ca. 540 € brutto. Eine durchgehende 24-Stunden-Sterbebegleitung über drei Tage liegt bei etwa 3.500–4.000 €.
Häufig gestellte Fragen
Können Sie auch im Hospiz dazukommen, obwohl es dort schon Sitzwachen gibt?
Ja — in Absprache mit dem Hospizteam. Wir verstehen uns als Ergänzung, nicht als Ersatz. Oft bringen wir gerade in den letzten 24 Stunden zusätzliche Anwesenheit ein, weil ehrenamtliche Sitzwachen nicht durchgehend verfügbar sind.Wie schnell können Sie kommen, wenn klar wird, dass es zu Ende geht?
Wenn wir Vorlauf von 24 Stunden haben, ja. In echten Akutsituationen (wenige Stunden) versuchen wir es, können es aber nicht immer garantieren.Reden Ihre Mitarbeitenden mit dem Sterbenden über den Tod?
Nur, wenn der Mensch selbst es initiiert. Wir hören zu. Wir geben keinen Anstoß zu Themen, die wir nicht einschätzen können.Können Sie auch nach dem Tod helfen?
Wir bleiben — wenn gewünscht — in den ersten Stunden nach dem Versterben da. Wir helfen, den Notarzt für die Todesfeststellung zu rufen, sind für die Familie da, übergeben an den Bestatter. Trauerbegleitung in den darauffolgenden Wochen vermitteln wir an spezialisierte Stellen.Kennen Sie sich mit verschiedenen religiösen Traditionen aus?
Wir respektieren alle Traditionen. Bei spezifischen Riten (z. B. muslimischer Brauch der Waschung durch Familienangehörige, orthodoxe Liturgien, jüdische Bräuche der Schiwa) bitten wir die Familie um klare Hinweise. Wir lernen schnell, aber wir setzen nichts voraus.Können Sie auch bei nicht-religiösen Sterbeprozessen begleiten?
Selbstverständlich. Die meisten unserer Sterbebegleitungen sind säkular. Wir machen niemandem etwas religiös, was er nicht selbst will.
Bereit für ein erstes Gespräch?
Kostenlos, unverbindlich, in Ruhe. Wir hören erst zu — und melden uns dann mit einem konkreten Vorschlag zurück.
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